Captain America: Steve Rogers #1 Rezension

Steve Rogers ist wieder im Einsatz.

  Captain America: Steve Rogers #1 Bewertungsbild Marvel unternimmt den beispiellosen Schritt, zwei gleichzeitig laufende Captain America-Comics vom selben Autor zu veröffentlichen. Da sowohl Steve Rogers als auch Sam Wilson den Mantel von Captain America teilen, ist dies vielleicht die einzige Möglichkeit, jedem Helden das Recht zu geben, das ihm zusteht. Aber braucht Marvel mit einem so starken Kreativteam wie diesem wirklich eine Ausrede, um eine neue Serie zu starten? Kapitän Amerika: Steve Rogers #1 baut sehr eng auf den Ereignissen des Crossovers Avengers: Standoff auf. Vielleicht etwas zu eng, denn der Hauptfehler dieser Ausgabe ist ihre vorhersehbare Struktur. Dies ist ein ziemlich normales erstes Kapitel, in dem der Autor Nick Spencer die Charaktere vorstellt, Steves Status quo wiederherstellt und die Bühne für kommende größere Konflikte bereitet. Es gibt eine ziemlich starke Dosis an exponierungsgetriebener Erzählung, was nicht ganz so schlimm wäre, wenn Spencers Standoff-Kapitel sich nicht auch die Mühe machen würden, die jüngsten Ereignisse in Caps Welt zusammenzufassen. Neue Leser anzusprechen ist schön und gut, aber irgendwann muss man darauf vertrauen, dass sie in den Pool springen und sich von alleine über Wasser halten können.

Dennoch hat dieses Buch alle Zutaten für eine denkwürdige Captain America-Saga. Spencer ist in der Lage, der alten „Mann aus der Zeit“-Formel neue Wendungen zu geben, wobei Steve sich daran gewöhnt, wieder jung und gesund zu sein, und Sharon Carter sich nun damit auseinandersetzt, die alternde Veteranin zu sein. Es macht auch Spaß zu sehen, wie Spencer seinem eigenen Beispiel von Captain America: Sam Wilson folgt und dieser Serie einen stärkeren Ensemble-Fokus verleiht. Die Dynamik zwischen dem ehemaligen Kumpel Rick Jones und den aktuellen Kumpels Jack Flag und Free Spirit ist besonders unterhaltsam.

Es ist jedoch Spencers Version von Red Skull und Hydra, die hier am meisten auffällt. Ähnlich wie seine Schwesterserie Captain America: Sam Wilson ist von zeitgenössischer Politik durchdrungen. Spencer hat Hydra als Basis-Terrororganisation neu interpretiert, die unzufriedene Jugendliche rekrutiert, indem sie an ihre Ängste und Unsicherheiten appelliert. Die Parallelen zwischen Red Skull und einem bestimmten umstrittenen Präsidentschaftskandidaten sind unbestreitbar, aber im Kontext der Geschichte, die Spencer erzählt, angemessen. Diese Hydra spricht unsere Zeit weit mehr an als die, bei der es nur um kostümierte Schergen und riesige Unterwasserbasen ging. Die Tatsache, dass Spencer so viel Zeit darauf verwendet, den Hintergrund eines bestimmten Hydra-Rekruten zu konkretisieren, hilft in dieser Hinsicht sehr. Leider ist dieses Problem nicht so freundlich zu Baron Zemo, der eher wie ein Narr rüberkommt als der legitime Rivale von Red Skull, der er sein sollte.

Saiz' Kunst ist vorhersehbar exzellent. Sein Stil scheint sich seit seiner jüngsten Arbeit an Avengers: Standoff weiterentwickelt zu haben und zeichnet sich durch eine ausdrucksstärkere, stilisiertere Herangehensweise an Charakterdesigns und Gesichtszüge aus. Saiz sorgt dafür, dass die Handlung während der gesamten Ausgabe reibungslos fließt, während er gleichzeitig den Emotionen jeder Szene viel Aufmerksamkeit widmet. Die Geschichte des Hydra-Rekruten Robbie Dean Tomlin hat eine greifbare Traurigkeit. Es gibt eine Zärtlichkeit in den Szenen zwischen Steve und Sharon. Saiz' Farben sind in der Regel ein wenig plump (besonders wenn es um Hauttöne geht), aber die dezentere Verwendung von Farbe in den sepiafarbenen Rückblenden funktioniert sehr gut.

Während dieses Buch einer ziemlich vorhersehbaren Erstausgabenstruktur folgt, ist am Ende klar, dass die Serie nicht lange an Konventionen festhalten wird. Die große Wendung in dieser Ausgabe hat bereits viel Interesse und Bekanntheit im Internet auf sich gezogen. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass dies nur der erste Schritt einer viel größeren Geschichte ist. Ungeachtet Ihrer Gedanken zum Cliffhanger, seien Sie froh, dass Spencer bereit ist, Risiken mit einem so etablierten Charakter einzugehen.

Urteil

Captain America: Steve Rogers #1 bietet nicht den aufregendsten Start für diese neue Serie (zumindest nicht bis zur letzten Sequenz), aber es verfügt über ein talentiertes Kreativteam, das sich mit einigen der berühmtesten Charaktere von Marvel beschäftigt. Spencers Darstellung der neuen Hydra allein beweist, dass dies nicht irgendein Cap-Comic ist. Saiz' Artwork verstärkt diesen Eindruck nur noch. Hoffentlich gibt es keinen anderen Weg als nach oben, wenn diese neue Serie über die Einrichtungsphase hinausgeht und weiterhin neue Herausforderungen für Captain America schafft.